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Elli's Blog
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Gewalt als neues Mittel im Konflikt zw Regierungsoldaten und Rebellen
Related to country: Congo


Demokratische Republik Kongo
Massenvergewaltigung als Waffe

Sendeanstalt und Sendedatum: WDR, Sonntag, 11. November 2007


Bildunterschrift: ]
Völlig erschöpft kehrt ein kongolesisches Ärzteteam zurück aus den umliegenden Dörfern. Wieder hat es eine Frau nicht geschafft. Verblutet auf dem Fußmarsch ins Krankenhaus nach einer Vergewaltigung.

Die meisten Frauen hier wurden missbraucht oder verschleppt, von Milizen oder Regierungssoldaten. In der Notaufnahme der kleinen Klinik von Goma warten sie stundenlang auf Hilfe.

Kongolesische Ärzte , wie Dr. Claude, arbeiten rund um die Uhr. Um das Leben der 34-jährigen Chantal hat er vor drei Wochen stundenlang am Operationstisch gekämpft. Jetzt will er in einem Gespräch mit einer Sozialarbeiterin herausfinden, ob sie stabil genug ist, auf eigenen Füssen zustehen. Im Augenblick wird jedes Bett gebraucht. Die Frauen können sich in der Klinik höchstens 2,3 Wochen ausruhen.

„Ich bin von fünf Rebellen des Milizenchefs Laurent Nkunda vergewaltigt worden, weil mein Mann ein Regierungssoldat war. Sie haben ihn gezwungen zuzugucken und dann umgebracht. Dann hab ich mich mit einer Waffe zu den nächsten Blauhelm Soldaten durchgeschlagen.

Claude Masumbuko, Mediziner
„Chantal ist sehr mutig. Aber viele der Frauen haben keine Schulausbildung und wissen gar nicht, dass eine Vergewaltigung ein Verbrechen ist.“

Viele Opfer werden von ihren Familien verstoßen. Diese Angst plagt auch Chantal.

Und schon eilt Dr. Claude zur nächsten Patientin. Ein Notfall. Die Mutter ist verzweifelt. Mehrere Soldaten haben ihre 8-jährige Tochter missbraucht. Noch ist Arine bei vollem Bewusstsein. Doch Dr. Claude muss schnell handeln. Das Mädchen verliert viel Blut. Soldaten und Milizen überbieten sich gegenseitig in ihrer Brutalität, klagt er. Sie schrecken weder vor kleinen Mädchen noch alten Frauen zurück.
Im Zimmer nebenan liegt eine 12-Jährige, deren Gebärmutter Claude nicht retten konnte. Arine muss schnellstens operiert werden.

Mutter Margarita und Arines Opa stehen nun schreckliche Stunden des Wartens bevor. Frauen sind wie Freiwild, meinen sie wütend.

„Meine Tochter ist gerade mal acht Jahre. Sie haben sie stundenlang vergewaltigt. Sie ist doch noch ein Kind und kam gerade von der Schule nach Hause.“

Kibibi Rukara, Opa 70 Jahre alt

„Das waren Regierungssoldaten, die meine Enkelin vergewaltigt haben. Das zeigt doch, dass unsere Regierung überhaupt keine Kontrolle hat. Früher hätte es das nicht gegeben auch nicht im Krieg.“
Um ihr Essen müssen sich die Patientinnen selbst kümmern. Dabei sprechen sie immer wieder über die blutigen Details, die kaum ein Außenstehender ertragen könnte. Endlich können sie hier reden über Kommandanten und deren ungehemmte Lust auf Gewalt. Ob Regierungssoldaten oder Rebellen. Sie sind alle gleich, klagen die Frauen. Und wehe dem, der zwischen die Fronten gerät.

„Für mich ist das eine Art der Kriegsführung. Ich bin von sechs Soldaten vergewaltigt worden und danach haben sie mich noch mit einem Buschmesser verstümmelt. Sie haben mich wochenlang in ihrem Lager gefangen gehalten.“

„Mich haben Rebellen in den Busch verschleppt und immer wieder vergewaltigt. Als ich dann schwanger wurde haben sie mir den Fötus aus dem Leib gerissen.“

„Wir müssen lernen zu vergeben, auch wenn uns das schwer fällt. Sonst frisst uns dieser Hass gegen die Männer am Ende noch auf.“

Ohne ihr Baby hätte Chantal längst aufgegeben. Nur wegen ihrer Tochter quält sie sich morgens überhaupt aus dem Bett.

Die 8-jährige Arine hat ihre Operation überstanden. Dr. Claude schaut immer wieder nach ihr. Eigentlich müsste auch er endlich mal wieder schlafen, doch das Schicksal der Kleinen liegt hm am Herzen. Aus medizinischer Sicht wird sie sich erholen, doch das Trauma wird sie nur mit Hilfe ihrer Familie überstehen. Der Rat des erfahrenen Arztes: die Mutter soll sich unbedingt einer Sozialarbeiterin im Krankenhaus anvertrauen. Der Alptraum ist für Mutter und Kind noch lange nicht vorbei

Ähnlich geht es Chantal. Ihre Zeit im Krankenhaus ist abgelaufen. Eigentlich brauchte sie jetzt den Schutz eines Frauenhauses. Doch sie will versuchen mit ihrer blinden, vierjährigen Adoptivtochter und ihrem Baby in ihr Dorf nach Saké zurückzukehren. Der Abschied fällt allen schwer. In den Wochen im Krankenhaus sind sie zu Verbündeten geworden. Gegenseitig haben sie einander aufgebaut.

Und dann geht es auch schon los in einem der wenigen Geländewagen der Ärzte.

Die Flüchtlingslager um Goma platzen aus allen Nähten. 100.000 neue Flüchtlinge allein in den letzten drei Wochen seit Chantal ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Es verschlägt ihr die Sprache. Straßensperren verbauen uns den Weg. Die Rebellen von Laurent Nkunda rücken vor, heißt es. Überall lauert Militär. Die Stimmung ist gereizt. Sie hat Angst, selbst vor Regierungssoldaten. Vor allem wenn die am helllichten Tag „Pombe“ selbstgebrauten Whiskey trinken.

Ihr solltet mich respektieren, ruft er uns warnend zu.

Endlich haben wir uns zu ihrem Haus durchgeschlagen. Hier hat Chantal zehn Jahre lang gelebt, bis zu jener Nacht, in der die Rebellen über sie und ihren Mann hergefallen sind. Beim Anblick ihrer persönlichen Sachen hat sie das Bild ihrer Peiniger vor Augen. Die Truppen von Laurent Nkunda sind mittlerweile bis zu den Bergen über ihrem Haus vorgerückt. Chantal wird klar: sie kann hier nicht bleiben.
Ihr Zuhause hat sie also auch verloren. Genau wie all die anderen Flüchtlinge da draußen auch.



November 13, 2007 | 10:50 AM Comments  0 comments

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